Badewannenzüchtungsprogramm

Sowas gibts, doch doch, wer internationale Nachrichten in den letzten Tagen verfolgt hat der weiss: auch Killerorkas töten Trainer, und das nicht nur einmal und nicht nur Trainer.
Wer dachte solch Missetäter würde eingeschläfert, wie es der Fall ist bei weniger spektakulären Arten wie bspw Hunden, der hat sehr weit gefehlt. Töten ist tabu, denn das arme Tierchen ist Teil eines Züchtungsprogramm und Gefährte für die anderen sieben Goldfische im Aquarium. (Auswildern übrigens grad so tabu, durch die jahrelange Gehirnwäsche ist es nicht weit her mit Instinkten und Reaktionsvermögen)
Züchtungsprogramm ? Ehrlich ? Besagte Killerwal-(übrigens ist der Orka ein Delphin und kein Wal)firma hat zwar eine Stiftung zum Erhalt der Natur, doch ausgewilderte Orkababies findet man darin nicht.
Es geht also wohl um Geld und Shows. Wobei die artgerechte Haltung ja immer schon empfohlen hat Tiere zu vermenschlichen und gut abzurichten damit sie das nicht machen was wir, die Menschen, in über dreitausend Jahren Entwicklung und Evolution nicht verlernt haben: Beuteschema, Jagdinstinkt und Egoismus.
Der absolute Höhepunkt der medialen Komödie war dann die Pressekonferenz am Tag nach dem “Unfall”: man wolle interne Regelungen überprüfen lassen und sei heute nicht da um über das Geschehene zu reden, man wisse aber auch nicht was man an internen Regelungen ändern würde und nein man würde hier auch keine internen Regelungen preisgeben.
Es soll nämlich für den spezifischen Kollegen schon ein ganz spezifisches Regelwerk gegeben haben. Kein Wunder, der Orka ist mit- oder gar ganz verantwortlich für den Tod von zwei weiteren Menschen.
Der bittere Beigeschmack: the show must go on, man will uns zwar weiss machen Raubtiere hätten menschliche Regungen und Gefühle, andererseits erklärt man aber ein Pferdsschwanz der durchs Wasser treibt sei ein fataler Fehler und den Orka treffe deswegen auch keine Schuld.
Klar abgerichtete Tiere die mit aufgeblasenen Bällen spielen können, eine grossartige Intelligenz besitzen und so menschlich reagieren, haben keine Ahnung dass man seine Trainerin nicht beissen und ertränken soll. Ich würde mich kaputt lachen wenn das Thema nicht so ernst wäre.
Nicht dass mich der Tod eines Menschen, egal unter welchen Umständen, nicht betroffen machen würde, aber die beispiellose Ausbeutung und Verschleierung der Natur lässt bei mir dann doch den Kessel gewaltsam brodeln.
Zählt uns keine Märchen, Killerwale sind keine Kinder die rumtollen und glücklich sind in einem runden Wasserbehälter, die Tiere gehören in ihr Element, weit weg vom Menschen und weit weg von Versuchen sie zu vermenschlichen.
Das hätte man spätestens seit Keiko, auch bekannt als Free Willy 1,2 und 3, langsam mal kapieren sollen.

Addendum: auch ich bin nicht frei von Tadel, auch ich esse andere Tiere, auch ich vermenschliche Tiere, auch ich hab schonmal eine Meerestieresshow gesehen. Trotzdem, oder gerade deshalb regt mich die Geschichte auf.

Mein tiefstes Mitgefühl für die Familie der getöteten Trainerin.
Meine Verachtung für die Organisation selber.

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